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Johanna Sinisalo: Troll. Eine Liebesgeschichte

Personen

Mikael Hartikainen alias Angel (wegen seines engelsgleichen Aussehens)
Martti/Martes
Ecke
Dr. Spiderman/Spinne/Spinnenmann
Palomita, philippinische Sexsklavin
Pentti, Palomitas Mann
Pessi, junger Troll

 

Der junge Werbefotograf Angel trifft auf dem Nachhauseweg auf eine Gruppe Jugendliche, die ein zusammengekauertes Tier misshandeln. Vom Alkohol ermutigt, verscheucht er die Jungen und hebt das verletzte Tier auf. Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein gewöhnliches Wildtier sondern vielmehr um einen jungen Troll. Trolle sind große Raubtier, vergleichbar mit Bären und Großkatzen, die als extrem menschenscheu gelten und kaum je gesichtet wurden, was erklärt, warum viele Menschen glauben, der Troll existiere nur in Mythen.
Mit dem Troll namens Pessi zieht Chaos in Angels Leben ein. Der - wie man gleich zu Beginn erfährt - homosexuelle Angel steckt in einem komplizierten Beziehungsgeflecht. Er hat sich in den Hetero (?) Martes verliebt, der seine Gefühle jedoch nicht zu teilen scheint. Wegen Martes hat Angel mit seinem Ex Doktor Spiderman Schluss gemacht, einem Tierarzt, den Angel in seiner Not konsultiert, als Pessi sich weigert zu fressen und zu sterben droht. Ecke wiederum ist eine Affäre Angels, wobei ersterer jedoch deutlich mehr möchte.
Probleme entstehen auch durch Palomita, eine sehr junge philippinische Frau, die an den perversen Pentti verkauft und von ihm geheiratet wurde. Sie lebt im selben Wohnhaus wie Angel und freundet sich vorsichtig mit ihm an, sehr zum Missfallen ihres Ehemannes.
Angel hält den Troll Pessi in seiner Wohnung, erstaunlicherweise scheint alles gut zu gehen bis Angel einen entscheidenden Fehler begeht: Für eine Werbekampagne zieht er Pessi Jeans and fotografiert ihn damit. Martes, für dessen Agentur die Bilder sind, verständigt aus Angst dass Angel ihm nicht die Exklusivrechte an den Fotos überlassen würde die Polizei. Diese trifft genau zu dem Zeitpunkt ein, als Angels Liebhaber Ecke einen Überraschungsbesuch plant und mit gestohlenen Schlüsseln in Angels Wohnung eindringt. Die Polizei findet Eckes Leiche wenig später, Angel konnte in letzter Minute mit Pessi in den Wald flüchten. Pessi, der Ecke als feindliches Männchen ansah, hatte ihn angegriffen und getötet. Mit Angels und Pessis Flucht in die Wälder endet Sinisalos Erzählung.

 

Im Roman sprechen abwechselnd verschiedene Personen: Angel, Martes, Ecke, Spiderman und Palomita. Sie schildern die Ereignisse jeweils aus ihrer Perspektive, was den Roman sehr abwechslungsreich zu lesen macht. Zudem werden zwischen die eigentlichen Kapitel immer wieder Auszüge aus verschiedenen Quellen zum Thema Trolle eingeschoben, etwa Ausschnitte aus dem Kalevala, Sachbüchern, Märchen etc. Diese fiktiven Sachtexte suggerieren dem Leser, dass es den Troll als seltenes Wildtier in Finnlands Wäldern tatsächlich gibt.
Die tragische Geschichte der jungen Palomita wird im Roman zwar nur angerissen, verliert dadurch jedoch nichts an ihrer Drastik und Aktualität. Das Grauen versteckt sich oft hinter einer hundsordinären bürgerlichen Fassade.

5.6.11 19:27


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Mikko Rimminen: Tütenbierroman

Personen:

Marschall
Henninen
Bifi (wegen seiner Vorliebe für Fleisch- und Wurstwaren)

 

Was Mikko Rimminen in seinem ersten Roman von 2004 mit der Sprache anstellt ist nicht einfach zu beschreiben. Seine Metaphorik ist ebenso absurd wie holprig. Rimminen dehnt, komprimiert und verformt die Sprache mit der er seine "Geschichte" erzählt quasi wie Knetgummi. Er entwirft skurrile Bilder und abwegige Vergleiche, die für manchen Leser vermutlich erheiternd sind, vorausgesetzt er verfügt über einen Zugang zu dem etwas seltsamen Humor des Autors. 
In "Tütenbierroman" passiert im Grunde nichts. Es geht um drei nicht mehr ganz junge Arbeitslose, die ihre Tage am Stammkiosk oder auf Streifzügen durch den Helsinkier Stadtteil Kallio zubringen. Vor, nach und zwischen den zahlreichen Bieren, die unablässig konsumiert werden, sprechen die drei über Dies und Das, Gott und die Welt, das Leben an sich. Das tun sie in eingangs erwähnter mit seltsamen Metaphern gespickter Sprache. Mitunter trifft Rimminen mit seinen Formulierungen auch ins Schwarze, leider wirken die ständigen Versuche möglichst originell zu schreiben schnell sehr angestrengt.


Ich konnte keinen Zugang zu den eigentlich inhaltslosen Gesprächen der drei Männer finden und ebensowenig konnte ich den Figuren selbst viel abgewinnen. Alle drei wirkten auf mich wie Karikaturen ohne wirkliche Persönlichkeit. Die Inhaltsloigkeit des ganzen Textes hat mich schließlich dazu bewogen meine Lektüre nach ca. zwei Dritteln abzubrechen.


Episoden, an die ich mich noch erinnern kann:

 

  • In Marschalls Wohnhaus wird die tote Nachbarin abgeholt, die drei Männer stehen gaffend im Stiegenaufgang und geben Kommentare zum Geschehen ab.

  • Einer von den drei verliert einen Schuh und klaut sich daraufhin einen aus einem Schuhgeschäft.

  • Die Drei ziehen vom Kiosk zu einer Wiese, wo sie zwei Mädchen treffen mit denen sie weitertrinken. 

  • Alle drei Männer spielen gerne Würfeln, können sich aber sehr lange nicht entscheiden, ob man nun spielen sollte oder nicht bzw. ob man in die Wohnung gehen und die Würfel holen sollte


Abschließend ein Zitat aus dem Falter, das in einem Satz das gesamte Buch zu erfassen vermag: "Mikko Rimminens Tütenbierroman erzählt fast nichts von Menschen, die fast nichts tun"

siehe: http://www.falter.at/web/shop/detail.php?id=24423&SESSID=860af4b0bcf22eeebb8388129b11a255

1.6.11 20:53


Leena Lander: Die Insel der schwarzen Schmetterlinge

Personen:

Olavi Harjula, Direktor des Erziehungsheims
Frau Harjula
deren fünf Töchter
Juhani Johansson, Heimbewohner
Ilkka Salmi, Heimbewohner und Freund Juhanis
Tyyne, Viehmagd

 

Die Geschichte, die Leena Lander unter dem Titel "Die Insel der schwarzen Schmetterlinge" 1991 veröffentlichte ist auf einer namenlosen Insel im finnischen Schärengebiet verortet. Auf der kargen und einsamen Insel befindet sich eine Art Internat für schwererziehbare und kriminelle Jungen. Wir befinden uns in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts, der Direktor des Heims Harjula ist ein fehlgeleiteter Idealist, der als Alleinherrscher über das Jungenheim und die ganze Insel auftritt. Mit strengen Regeln, unbeugsamer Härte und schwerer Arbeit versucht Harjula die Jungen zurück auf die rechte Bahn zu bringen und ist sowohl von seinem Vorhaben als auch seinen Methoden überzeugt. Obwohl Harjula mit eiserner Hand regiert handelt er nicht willkürlich sondern bleibt stets fair und gerecht.
Das Erziehungsheim ist ein von jeglicher Umwelt abgeschotteter Ort, durch seine Bestimmung schon ein Heterotopos im Foucault'schen Sinne, entsteht durch die Lage auf der einsamen Insel ein Heterotopos im Heterotopos. Juhani kommt als Neunjähriger in diesen hermetisch abgeriegelten Raum nachdem seine alkoholkranke Mutter versucht hatte, den kleinen Bruder zu ertränken. Im Heim gerät er bald mit den anderen Jungen aneinander, zwischen denen ein steter Konkurrenzkampf schwelt. In dem wesentlich älteren Ilkka Salmi findet Juhani schließlich einen Freund und Beschützer. Ilkka ist es auch, der im Laufe der Geschichte eine Liebesbeziehung zur permanent gelangweilten und einsamen Frau des Direktors aufnimmt. Während Harjula sich in immer irrealere Ideen hineinsteigert (etwa möchte er trotz des ungeeigneten Klimas auf der Insel Seidenraupen züchten um seinen Schützlingen zu zeigen, was man mit purem Willen und Leidenschaft erreichen kann) verliert er den Kontakt zu seiner eigenen Familie. Das Seidenraupenprojekt muss naturgemäß scheitern, zwar gelingt es, einige Raupen am Leben zu erhalten, dich schlüpfen aus den Puppen anstatt weißer schwarzer Schmetterlinge. Die schwarzen Schmetterlinge funktionieren als negative Vorausdeutung im Roman, was von der Frau des Direktors - geplagt von Schuldgefühlen wegen der Affäre zu Salmi - sofort sorgenvoll erkannt wird. Die negative Atmosphäre auf der Insel verdichtet sich zunehmend (mehrere Tiere sterben und Juhani imaginiert seine verstorbene Schwester Juudit als einen Geist, der sich der Seelen der Toten bemächtigt) bis Juhani, der am Anfang des Buches als Erwachsener und erfolgreicher Unternehmer vorgestellt wird, im Treibhaus die Leiche der Viehmagd Tyyne entdeckt. Offensichtlich wurde sie erschlagen. Der Mordfall führt letztlich dazu, dass Harjula das Erziehungsheim aufgibt, Juhani erhält die Möglichkeit auf eine höhere Schule zu wechseln und genießt beruflichen Erfolg. Darüberhinaus ist er mit einer Tochter des Direktors verheiratet. Der Tod der Magd Tyyne, der Polizeibericht darüber steht ganz zu Beginn des Buches, wird von der Polizei nicht aufgeklärt. Klar wird allerdings, dass es wohl weniger ein Mord als ein versehentlicher Totschlag gewesen war, denn Frau Harjula und Salmi begangen haben, als Tyyne sie in ihrem Liebesnest im Stall entdeckte.  
Das Ende des Roman wirkt abrupt, deshalb aber nicht weniger gelungen.

Interessant ist, dass Lander in diesem Roman Kindheitserinnerungen verarbeitet. Ihr Vater war selbst Leiter eines Erziehungsheims für schwererziehbare Jungen und Leena und ihre Schwester verbrachten viel Zeit in der unmittelbaren Umgebung des Internats und seiner Zöglinge.

1.6.11 19:57





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